Vue aérienne Marais Ardon et Chamoson Pro Natura
Wallis

Flachmoor von Ardon und Chamoson

Im Rhonetal, mitten in bewohntem Gebiet, zwischen Plantagen, Feldern und Autobahn, hat Pro Natura eine Oase der Natur geschaffen.

Ein buntes Mosaik verdrängt die Monotonie

Das Flachmoor nationaler Bedeutung von Ardon und Chamoson liegt im Rhonetal, mitten in der Landwirtschaftszone.
Im Rahmen eines herausfordernden Projektes und in aktiver Zusammenarbeit mit den beiden Gemeinden und dem Kanton, hat Pro Natura Wallis diese kleine Feuchtgebietsinsel von 18 ha revitalisiert.

Früher durchfloss die Rhone ein riesiges Sumpfgebiet. Überbleibsel davon hat es heute nur wenige. Aufgrund der zwei Rhone-Korrekturen musste die ursprüngliche Landschaft dem Gemüseanbau und Bautätigkeiten weichen. Zahlreiche, feuchtgebietsabhängige Tier- und Pflanzenarten sind deshalb selten geworden, die meisten davon sind heute geschützt. Das Flachmoor von Ardon und Chamoson, genauer gesagt, ein alter Übertretungsarm der Losentse, zeugt von dieser Vergangenheit.

Schützen reicht nicht

Obwohl die Zone im nationalen Inventar der Amphibienlaichgebiete verzeichnet und ein Flachmoor nationaler Bedeutung ist, schrumpft die sumpfige Fläche seit Jahrzehnten weiter. Seltene Arten sind verschwunden, Weiden verholzen ihre Gebiete, Obstplantagen trocknen es aus. Im September 2005 passte der Kanton Wallis den Entscheid von 1990, das Gebiet unter Schutz zu stellen, dem Wiederaufwertungsprojekt an.

Mit der Unterstützung des Kantons und der Eidgenossenschaft gelang es Pro Natura Wallis, vorerst 3,7 ha Land südlich des Gürtelkanals zu erwerben. Das Revitalisierungsprojekt wurde nach vier Jahren intensiver Zusammenarbeit aller Beteiligten genehmigt. Im Februar 2008 wurde es - budgetiert zu 1,4 Mio. Franken - im Beisein von Kanton und den beiden Gemeinden offiziell gestartet. 

In den Mager- und Feuchtwiesen im Norden des Flachmoors wurde das Gestrüpp entfernt und das Suonen-Bewässerungssystem wieder aktiviert. Zahlreiche Feuchtgebietspflanzenarten werden davon profitieren, während viele Vögel und Libellen sich bereits eingefunden haben.

Im Süden des Kanals wurden Obstbäume entfernt und so wieder Raum für Sumpf sowie feuchte Wiesen entlang der alten Losentse geschaffen. Teiche mit manchmal steilen Ufern wurden kreiert. Die Hänge des Kanalufers wurden abgeflacht. Im Westen des Moores wurde ein Observationshügel erstellt: er überragt den grössten der Teiche und ist gleichzeitig Ausgangspunkt des Naturlehrpfades. Er führt die BesucherInnen durch Magerwiesen an die östliche Beobachtungsstelle. 

Wiedergeburt einer lebendigen Zone

Wenn dieses schöne Fleckchen Natur während der Arbeiten einer grossen Baustelle glich, so breitet sich nun wieder die Natur aus: Schilfrohre und andere Pflanzen haben die Ufer besiedelt; Kröten, Grasfrosch und Gelbbauchunke tummeln sich im Frühjahr in den Teichen, während die zahlreichen Libellen im Sommer über die Feuchtstellen und -wiesen fliegen. Damit die Artenvielfalt erhalten bleibt und verhindert wird, dass das Biotop verholzt, beweiden schottische Hochlandrinder das Gebiet. Ein ortsansässiger Landwirt kümmert sich um das Mähen. 

Resultat einer effizienten Zusammenarbeit

Dass Fauna und Flora heute neue Lebens- und Entwicklungsräume vorfinden, und SpaziergängerInnen diese vielfältige Natur beobachten und bewundern können, ist der Zusammenarbeit und der aktiven Teilnahme der beiden Gemeinden Ardon und Chamoson, der kantonalen Dienststelle für Wald und Landschaft, dem Unternehmen, das die Arbeiten vor Ort ausgeführt hat sowie dem Biologen, der jede Etappe des Projektes vor Ort begleitet hat, zu verdanken. Sie gewährleisteten die tatsächliche Verwirklichung des Projektes.

Libelle im Flachmoor

Gemeine Binsenjungfer (lat. Lestes sponsa)
Gemeine Binsenjungfer (lat. Lestes sponsa)