Baltschiedertal

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Naturschutzgebiet Baltschiedertal

Das Baltschiedertal, ein nördliches Seitental der Rhone im Oberwallis, ist eines der wenigen Täler im schweizerischen Alpenraum, das bis heute seinen weitgehend ursprünglichen und wilden Charakter bewahren konnte.

Um das Tal zu erreichen, müssen mühsame und gefährliche Pfade erklommen werden, da keine Strasse ins Talinnere führt. 
Auf dem Weg durchs Tal erkennt man die klassische inneralpine Höhenstufung auf engem Raum zusammengefasst. Zuerst werden Mischwälder mit Föhren, Weiden, Erlen und Birken durchquert. Im mittleren Abschnitt wandert man durch Fichten-, Lärchen und Arvenwälder, bevor man auf alpine Weiden, subglaziale und -nivale Schuttgesellschaften und zu oberst auf glaziale und nivale Gebiete trifft. Wegen starker Lawinengefahr ist das Baltschiedertal, schenkt man den alten Sagen keinen Glauben, bis heute ohne Dauersiedlung geblieben.

Die ungefähr 39 km2 des auf vier Einwohnergemeinden aufgeteilten Baltschiedertales wurden 1981 ins Inventar der schweizerischen Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen (KLN; Objekt 3.45). Bei der Ersetzung des KLN durch das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) 1984 wurde das Tal als Teil des BLN-Gebiets NR.17.06 Aletsch-Bietschhorn inventarisiert (BLN, 1984). Mit der Aufnahme ins BLN verdient es laut dem Eidgenössischem Departement des Innern (EDI, 1999) "in besonderem Mass ungeschmälerte Erhaltung oder jedenfalls grösstmögliche Schonung". Weiter beschreibt das EDI, dass "die im Inventar aufgenommenen Objekte auf Grund ihrer Schönheit, Eigenart, wissenschaftlichen, ökologischen oder kulturgeographischen Bedeutung in schweizerischer und teilweise gar europäischer Sicht einmalig oder als Typlandschaften für eine bestimmte Region der Schweiz besonders charakteristisch sind. Die Aufnahme ins BLN schafft bei den jeweiligen Objekten die Voraussetzung dafür, dass Ausgleichsbeiträge nach der Verordnung über die Abgeltung von Einbussen bei der Wasserkraftnutzung (VAEW) bezahlt werden können."
An einer Urversammlung im Jahre 1986 stimmten die Bürger der drei Walliser Gemeinden Baltschieder, Eggerberg und Mund über die Zukunft dieser Kulturlandschaft ab. Zur Wahl standen einerseits der "Bau eines Wasserkraftwerkes" und andererseits die "UnterschutzsteIlung des Tals".Glücklicherweise entschied sich die Bevölkerung für das Landschaftsschutzgebiet. Der Vertrag wird als Pionierwerk des schweizerischen Landschaftsschutzes bezeichnet.

Seit Jahrhunderten nutzen Menschen das Baltschiedertal für die Alpwirtschaft und die Wasserentnahme, um die Nordhänge des Rhonetals bei Visp bewirtschaften zu können. So hat man im Tal zum Beispiel ein oberständiges Lappenbeil aus Bronze aus der mittleren Bronzezeit um etwa 1000 v. Chr. gefunden. Schon 1312 wurde das Tal in einer Urkunde im Zusammenhang mit der Wasserleitung Laldneri erwähnt (vgl. SCHMID, 1990: 147). Durch die intensive Nutzung wurden die natürlichen Gegebenheiten des Tales stark verändert. Mit der Zeit entstand durch die Wechselwirkung der natürlichen Umwelt und der speziellen Nutzung durch den Menschen diese einmalige Landschaft.